Über Artberg
Katalogtext P.G.1999
Bereits während des Studiums in der Akademie der bildenden Künste
in Wien fiel Artberg durch skurille und verspielte Objekte und
happeningartige Aktionen auf. In seiner ersten Ausstellung in der
Wiener Sezession zeigte er Arbeiten und Experimente mit seiner nicht
kontrollierbaren Malmaschine. Es war so etwas wie ein Protest gegen
"das Rezept ist Konzept!" und zielte offensichtlich gegen
die herrschenden Kunsttendenzen die durch Konzeptionalisierung und
intellektueller Selbstbefriedigung Gefahr liefen langweilig zu werden
und ihre sinnliche Verspieltheit zu verlieren.
Feinsinnige Kritik und der Kampf gegen Eintönigkeit, Versuche immer
auch andere Möglichkeiten offen zu halten, wie ein unermüdliches Plädoyer
für die Fantasie, die einfache Freude am Erleben wurde zur
Grundphilosophie in Artbergs Schaffen. Es scheint, dass dieser Kampf
mehr denn je seine Berechtigung hat. Er ist ein vehementer Verfechter
eines Weges der Mitte - eines humanen Weges. Artberg versteht hier aber
alles andere als Mittelmäßigkeit. Vielmehr ist Toleranz und offener
Geist gemeint. Wie er, so glaube auch ich, dass es lächerlich ist,
nach 100 Jahren der Befreiung der Kunst aus seinen geistigen Zwängen,
zu versuchen immer noch künstlich irgendwelche Stile und Strömungen
als die "wirklich Wahren" oder zeitgemäßen darzustellen.
Anstatt diese Vielfalt zu denunzieren sollte man sich Ihr bewusst
werden und sie als Geschenk betrachten. Dies macht Artberg und
versucht mittels seiner persönlichen Handschrift in verschiedenen
Richtungen zu arbeiten und scheinbar Gegensätzliches zu verschmelzen.
Das letzte, was wir in der heutigen Zeit brauchen,
sind Spezialisten mit eingeschränktem Blickfeld - auch nicht bei den
Künstlern. Mehr denn je sind Individualisten, kreative Querdenker und
Menschen wichtig, die auf unkonventionelle Weise versuchen mögliche
Orientierungspunkte zur Sinnhaftigkeit unserer fragwürdigen Existenz
aufzuzeigen um eine Alternative zur immer mehr um sich greifenden
Identitätslosigkeit und geistiger Abgestumpftheit zu schaffen.
Artbergs Objekte, Bilder und Zeichnungen sind eigenwillig und schwer oder nicht zuzuordnen. Sein
maltechnisches und handwerkliches Können erinnert manchmal an die
technische Perfektion alter Meister. Artberg liebt die Farbe. Er macht
sie mühsam selbst und bekommt so eine besondere Beziehung zu ihr.
Seine grafische Fähigkeit und das besondere Gefühl für die Farbe
bilden eine außerordentliche Symbiose.
Artberg ist ein Selfmademan, konstruiert alles bis ins letzte Detail selbst.
Er bastelt und baut, druckt in seiner Werkstatt Lithographien, macht Kataloge
und Bücher. Seine kompromisslosen Aktionen und kritischen Statements, die er
ohne Rücksicht auf Person oder Institution äußert lassen Artberg nicht nur
Freunde gewinnen. So schenkte er einigen Zeitungsjournalisten nach deren falschen und
inkompetenten Äußerungen ein Glas mit säuberlich in Formalin konserviertem
Schweinehirn mit der Aufschrift: "Bitte benutzen!" oder stellte nach
mehreren erfolglosen Bewerbungen um ein Auslandsstipendium beim Ministerium ein
sarkastisches 100-jähriges Ansuchen.
Artberg lebt seit Jahren im Ausland das Leben eines Asketen und
arbeitet dort unbeeindruckt von irgendwelchen modischen Strömungen in der
Kulturszene an seinen Werken. Er verbrachte beinahe 10 Jahre in Frankreich und
arbeitet seit 1994 vorwiegend in Neuseeland und in einem Bergdorf in Ligurien.
Überall zieht er sich soweit als möglich von der Zivilisation zurück.
Artberg, ein unermüdlicher Kämpfer gegen Kulturmafia und Museumslobbies,
bildet mit seiner Individualität einen wichtigen Gegenpol zur immer mehr zur
Domäne werdenden "Konformkunst" Leider trifft man immer weniger
dieser FREIEN Künstler.
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P.G. 1999 |