„Reise nach Planetoplan“
Ausstellung Tiroler Kunstpavillon, Innsbruck 5.-29. März 1987
Siglinde Hirn

Artbergs (Arzbergers) neue, fast durchwegs im vergangenen Jahr in der Normandie entstandene Arbeiten sind ohne Phantasie und Gespür für intuitive Wahrheiten nicht zu erfassen. Seine Tableaus und Graphiken verlangen vom Betrachter die Bereitschaft, sich auf die Erfahrung neuer Wirklichkeiten einzulassen, den gedanklich im Zwischenbereich von Realität, Raum und Illusion angesiedelten Bedeutungen eigene Empfindungen und Gedanken entgegenzusetzen. Er stellt der realen Welt eine andere entgegen, deren Kosmologie er selbst entwirft. Diese gedankliche Beschäftigung mit einer aus den Fugen geratenen Welt korrespondiert im Bild mit einer sich strengen Regeln verweigernden Perspektive. Artbergs spielerischer, sehr persönlicher Umgang mit den bildnerischen Problemen von Fläche und Raum lässt stellenweise - gleich einem Vexierbild - eine nicht immer auf den ersten Blick erfassbare Dreidimensionalität entstehen. Mit perspektivischem Kalkül lässt er Partien beinahe körperhaft erscheinen, die im nächsten Moment ihre trügerisch räumliche Gestalt mit der Realität einer flächigen Malerei vertauschen.
Dieses irritierende Wechselspiel zwischen einer scheinbaren, vom Auge erwarteten Dreidimensionalität, welche mannigfaltige Assoziationsmöglichkeiten bietet, und einer effektiven zweidimensionalen Malerei sowie eine stets präsente ironische Komponente sind für den Künstler wesentliche Merkmale der Formenwelt seiner Arbeiten.
Ironisch präsentieren sich auch die Bildtitel. Bildunterschriften und verbale Erfindungen, wie z. B. "Reise nach Planetoplan" oder ,;Vulkanritter" , kalkulieren mit der Phantasie des Betrachters, sie sollen Denkanstöße geben, ein Netz assoziativer gedanklicher
Bezüge freisetzen. Artberg bedient sich zur Verbildlichung seiner Botschaft eines gut sortierten Repertoires technischer sowie organischer Formen. Flugkörper und utopische Maschinen sind zusammen mit Kegeln, Rhomben und anderem aus der Geometrie entlehnten Formenvokabular auf der Bildfläche inszeniert. Diese Versatzstücke der Realität gehören zum Motivbestand seiner bildmächtigen Tableaus, wie ein Stück Himmel, Landschaftsbruchstücke usw., deren gegenständliche Bedeutung zugunsten einer suggestiven, das ganze Bild überspannenden Realität zurücktritt. Artberg arbeitet in einer zeitaufwändigen Eitempera / Mischtechnik. Viele Farbschichten werden übereinandergelegt und ergeben' diese besondere Modulation der Farbe, diese Harmonien des Valeurs, welche bei den Arbeiten Artbergs sofort auffallen und - die ihm wichtig sind.
In seinen Faltobjekten lässt er graphische Zwitterwesen, die einmal als „Ubu", dann wieder als "König der Inkas" seine Blätter bevölkern, durch Schneiden, Biegen und Falten den Schritt aus der Zwei- in die Dreidimensionalität tun. In diesen Faltobjekten aus Karton oder Stahl kulminiert folgerichtig die in den Bildern bereits angesprochene Neugier des Künstlers auf alles Räumliche, auf die Faszination., die vom Wechselspiel von Fläche und Raum ausgeht.

Kulturzeitschrift PARNASS 2/87