Katalogtext zu „Experimente mit Malmaschine“
Peter Pongratz 1981

Als ich Reinhard Arzberger zum zweiten oder dritten Mal traf, schenkte er mir "ein selbstgebautes, winziges, kaum ein Gramm schweres, aus feinen Balsaholzleistchen und hauchdünner Kunststofffolie konstruiertes Flugzeug dessen kleiner über ein zartes Gummibändchen betriebener Propeller, die Maschine tatsächlich in der Luft hielt und fortbewegte.

Sein Ehrgeiz, Flugzeuge die auch funktionieren und nicht schwerer als ein Gramm sein sollen zu konstruieren, beeindruckte mich sehr.

Später zeigte er mir auch seine Zeichnungen und Bilder, erzählte mir von seinen Plänen und Projekten und erklärte mir seine Entwürfe für alle möglichen Versuche und Erfindungen. Er beschäftigte sich mit Mathematik und ließ die Erkenntnisse aus dieser Beschäftigung in seine Bilder einfließen, baute eine Malmaschine, oder reiste mit einem selbstgebauten Floß aus Müll von Tirol nach Linz, aber nicht ohne immer wieder streng darauf hinzuweisen, daß seine Aktivitäten mit Kunst zu tun haben, Kunst sind.

I Ich glaube ein gewisser Spieltrieb, Neugier, Phantasie, Experimentierfreude werden immer mehr zur Domäne der Wissenschaftler. Kunst, die dieser Eigenschaften genauso bedarf, wird immer stärker auf den Zugang zur Schönheit oder sozialkritische Aspekte reduziert. Das ist falsch, und Reinhard ,Arzberger, der sich seine Regeln selber macht, beweist das. Ich treffe immer seltener Menschen, die sich, wie er, außerhalb geläufiger Bahnen bewegen.

Für mich bedeutet Künstler, Erfinder oder Abenteurer zu sein unter bestimmten Umständen dasselbe, es bedeutet die Kurve zwischen Hirn und Gefühl zu kriegen und unter anderem sich selber und seine Mitmenschen nicht zu langweilen.

Ein großer Teil der Kunst besteht aus Forschung, das ist uns schön langsam ins Bewußtsein gedrungen. Daß aber auch die Forschungsrichtung und die Methode keinen Vorschriften unterliegen darf (keinem Zwang zur Avantgarde, keinen Kunsthandelsgesetzen und keiner Museums- oder Kulturpolitik) nimmt fast niemand zur Kenntnis.

Reinhard Arzberger konnte sich bis jetzt von all diesen Zwängen freihalten, er verfolgt seine eigenen Gedanken und Phantasien, und forscht, erfindet, malt, zeichnet, experimentiert und abenteuert auf seine eigene unkonventionelle Weise.

      Ich habe eine starke Zuneigung zu seiner Art, sich nicht festlegen zu lassen und zu experimentieren. Wie er, glaube auch ich nicht daran, daß Bildende Kunst nur mit Pinsel und Palette betrieben werden kann und ich glaube, Aspekte der Naturwissenschaft könnten in der Bildenden Kunst nützlicher sein als vages, "modisches und von Künstlern häufig mißverstandenes sozialwissenschaftliches Gebrabbel.